Erstmal durchatmen. Nachdem sich übers Wochenende die Meldungen über einen vermittelten Frieden zwischen den USA und dem Iran verdichteten, zeigen die US-Börsen im vorbörslichen Handel endlich wieder nach oben. Die Futures auf den S&P 500 legten um 0,5 Prozent zu, beim technologielastigen Nasdaq 100 ging es um 0,6 Prozent rauf und der Dow Jones kletterte immerhin um 0,3 Prozent. Der Start in diese verkürzte Handelswoche stand auf Messers Schneide, wenn man bedenkt, dass amerikanische Luftschläge auf iranische Militärziele noch vor wenigen Tagen akute Ängste vor einem globalen Energieengpass schürten.
Vorausgegangen waren den US-Schlägen laut Washington iranische Angriffe in der Straße von Hormus. Donald Trump goss anschließend auf Truth Social noch ordentlich Öl ins Feuer, als er davor warnte, die USA könnten den Job, den sie „sehr erfolgreich begonnen“ hätten, militärisch zu Ende bringen. Sollte das passieren, so Trump, werde die Islamische Republik Iran schlichtweg nicht mehr existieren. Solche Töne lassen Rohstoffhändler naturgemäß nervös werden. Die Ölpreise zogen im frühen Handel an, da der Markt das Risiko weiterer Ausfälle bei der Rohölversorgung einpreiste: Brent kletterte um 0,8 Prozent auf 72 Dollar je Barrel, WTI notierte 1,1 Prozent höher bei 70 Dollar.
Flucht in den sicheren Hafen
Der geopolitische Zündstoff hat die ohnehin schon wackeligen Märkte in der vergangenen Woche ziemlich durchgeschüttelt. Der S&P 500 und der Nasdaq Composite tauchten um knapp 2 beziehungsweise satte 4,6 Prozent ab. Besonders die Tech-Giganten mussten bluten. Nvidia und Alphabet rauschten um mehr als 8 Prozent in den Keller, während Meta, Apple und Amazon jeweils über 4 Prozent abgaben. Bei SpaceX kam es mit einem Minus von 17 Prozent gar zu einem echten Ausverkauf.
Wer sein Geld im Dow Jones geparkt hatte, kam noch vergleichsweise glimpflich davon. Der Leitindex hielt sich mit einem Plus von 0,6 Prozent über Wasser, gestützt durch einen klassischen defensiven Sektor: die Gesundheitsbranche. Merck (+13 Prozent) und Johnson & Johnson (+11,5 Prozent) lieferten hier in stürmischen Zeiten die nötige Stabilität.
Das wahre Risiko liegt in den Serverfarmen
Doch es sind eben nicht nur die geopolitischen Beben im Nahen Osten, die den Tech-Werten zusetzen. Hinter den Kulissen der Börsen-Rallys braut sich etwas viel Fundamentaleres zusammen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt mittlerweile ganz unverblümt vor den Gefahren des gigantischen KI-Investitionsbooms.
In ihrem Jahresbericht zum globalen Wirtschaftsausblick skizziert die Notenbank der Notenbanken ein düsteres Szenario. Die fünf größten „Hyperscaler“ sind demnach auf dem besten Weg, in den Jahren 2025 und 2026 mehr als eine Billion Dollar an Investitionsausgaben (CapEx) in künstliche Intelligenz zu pumpen. Der bittere Konkurrenzkampf zwingt die Branchenführer geradezu in eine Spirale ausufernder Ausgaben. Das Problem dabei ist die Fallhöhe. Diese astronomischen Summen bedrohen mittelfristig die Profitabilität der Tech-Riesen. Die BIZ sieht hier ein handfestes Risiko für das globale Finanzsystem: Sollte dieser Investitionsrausch in einer scharfen Kehrtwende enden, könnte das nicht nur Bilanzen ruinieren, sondern ganze Volkswirtschaften in eine Rezession reißen.