Lange Zeit galten Teslas als das unangefochtene Maß aller Dinge in der Elektromobilität, doch der Wind in der Branche hat sich spürbar gedreht. Während Beobachter sich zunehmend fragen, ob die besten E-Autos in puncto Effizienz, Performance und Software mittlerweile nicht eher aus Südkorea kommen, kämpft der einstige US-Branchenprimus mit handfesten Problemen. Die weltweiten Verkaufszahlen sind zuletzt regelrecht eingebrochen. Das liegt zum einen an Firmenchef Elon Musk, der politisch stark nach rechts abgedriftet ist und mit seinen ständigen Eskapaden selbst eingefleischte Fans vergrault hat. Zum anderen hapert es aber ganz gewaltig an der Qualität der Fahrzeuge. Beim TÜV-Report 2026 landete Tesla prompt wieder auf dem letzten Platz. Das Model Y wies dabei so hohe Mängelquoten auf wie kein anderer jüngerer Pkw auf dem Markt, wobei besonders kranke Achsaufhängungen sowie defekte Bremsscheiben und Beleuchtungsanlagen den Prüfern negativ auffielen.
Ein neuer Anlauf aus Japan In diese Lücke, die durch schwächelnde Platzhirsche entsteht, drängen nun asiatische Hersteller mit völlig frischen Konzepten – gerade für den urbanen Raum. Honda bringt mit dem Super-N ein elektrisches City-Car auf den Markt, das sich optisch stark an den ikonischen japanischen „Kei-Cars“ orientiert und frischen Wind in die Städte bringen soll. Man muss ehrlich sein: Die bisherigen E-Modelle der Marke haben die Erwartungen nicht wirklich erfüllt. Der Honda E war zwar vollgepackt mit Technik und hatte Charme, litt aber massiv unter seiner geringen Reichweite. Der Crossover e:Ny1 ging in der breiten Masse schlicht unter und konnte kaum Akzente setzen. Beim dritten Anlauf soll mit einem radikalen Richtungswechsel nun alles besser werden.
Retro-Design trifft auf Fahrspaß Der Ansatz für den ab Juli 2026 erhältlichen Super-N ist ein anderer. Das Fahrzeug wird das absolute Einstiegsmodell der Marke und unterbietet den Jazz in der Länge um mehr als einen halben Meter. Trotz der winzigen Proportionen verspricht Honda durch die kantige Karosserieform maximale Raumausbeute und viel Komfort im Innenraum. Dort erwartet die Fahrer ein erfreulich traditionelles Layout mit echten physischen Tasten. Ein echtes Highlight für Enthusiasten dürfte der sogenannte Boost-Modus sein. Er soll mit simulierten Gangwechseln eines Siebengang-Getriebes und künstlichem Motorsound den reinen Fahrspaß in den Alltag zurückholen. Passend dazu wechselt die serienmäßig blaue Ambientebeleuchtung im Innenraum in ein sattes Violett, sobald man diesen Modus aktiviert.
Reichweite und Agilität für die Stadt Natürlich haben wir es hier nicht mit einem Hochleistungssportwagen zu tun. Der kleine Elektromotor leistet regulär moderate 60 PS, kann aber im Boost-Modus für einen kurzen Leistungsschub auf bis zu 95 PS hochschnellen. Da das Auto verhältnismäßig leicht sein wird, dürfte sich der Flitzer im dichten Stadtverkehr äußerst agil und spritzig bewegen lassen. Genaue Details zur Batterie stehen zwar noch aus, die Reichweite wird jedoch auf beachtliche 199 Meilen im reinen Stadtbetrieb beziffert. Geht es auf schnellere Straßen oder weiter aus der Stadt heraus, schrumpft dieser Wert auf etwa 120 bis 128 Meilen. Für den gedachten Einsatzzweck sind das absolut praxistaugliche Zahlen.
Aggressiver Preis und starke Konkurrenz Ein entscheidendes Verkaufsargument wird der Preis sein. Honda hält sich mit der exakten Preisliste noch bedeckt, hat aber bereits angekündigt, dass der Super-N zum Marktstart im Sommer für weniger als 20.000 britische Pfund angeboten wird. Damit tritt der Wagen in einem rasant wachsenden Segment erschwinglicher Elektro-Stadtflitzer an und muss sich gegen Konkurrenten wie den Dacia Spring, den Leapmotor T03, den BYD Dolphin Surf sowie den brandneuen Renault Twingo behaupten. Es bleibt also spannend im Portfolio der Japaner, zumal Honda in diesem Jahr ohnehin viel vorhat: Flankiert wird der kleine Super-N von der Neuauflage des Hybrid-Sportlers Prelude und der WN7, dem ersten rein elektrischen Motorrad des Herstellers.