Der Goldmarkt zeigt sich in diesen Tagen äußerst volatil. Am Freitag verzeichnete das Edelmetall durch Schnäppchenjäger zwar ein Plus von 0,9 Prozent auf 4.419,99 US-Dollar je Unze, steuerte aber dennoch auf einen wöchentlichen Verlust von 1,5 Prozent zu. Zuvor war der Preis am Montag noch auf ein Viermonatstief von 4.097,99 Dollar gefallen. Auslöser für diese extremen Schwankungen ist primär der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran, der die weltweiten Inflationssorgen massiv befeuert. Die Lage im Nahen Osten bleibt hochgradig angespannt. Die USA verlegen weiterhin Truppen in die Region, während US-Präsident Donald Trump derzeit abwägt, Bodentruppen zur Einnahme der strategisch wichtigen iranischen Ölinsel Kharg einzusetzen. Immerhin wurde die Feuerpause für Angriffe auf iranische Energieanlagen um zehn Tage verlängert. Dennoch kletterte der Preis für Brent-Rohöl auf fast 110 Dollar pro Barrel.
Zinsangst bremst den Höhenflug Normalerweise gilt Gold in Zeiten steigender Ölpreise als klassischer Schutz vor Inflation. Das aktuelle Marktumfeld ist jedoch weitaus komplexer. Die gestiegene Inflation stärkt gleichzeitig den US-Dollar und schürt die Erwartung anhaltend hoher Zinsen, was das zinslose Edelmetall wiederum schwer belastet. Laut dem FedWatch-Tool der CME Group haben Händler die Hoffnung auf Zinssenkungen in den USA für das Jahr 2026 mittlerweile komplett ausgepreist. Stattdessen wird die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bis zum Jahresende sogar auf 40 Prozent geschätzt – ein drastischer Kontrast zur Vorkriegszeit, als die Märkte noch fest von zwei Senkungen ausgingen. Analyst Carlo Alberto De Casa von Swissquote fasst die Stimmung treffend zusammen: Solange die Situation zwischen den USA und dem Iran unklar bleibt, wird sich der Goldpreis weiterhin auf einem überaus volatilen Terrain bewegen.
Die richtige Strategie nach dem Crash Solche massiven Verwerfungen, die manchen an einen umfassenden „Alles-Crash“ erinnern mögen, zwingen Marktteilnehmer zu klaren Entscheidungen. Wer in diesem unruhigen Umfeld spekulieren möchte, folgt einem ganz bestimmten Muster und muss zwei Grundvoraussetzungen erfüllen. Erstens bedarf es überschüssigen Kapitals, dessen potenzieller Verlust im Zweifelsfall verschmerzbar wäre. Zweitens ist eine präzise These unerlässlich. Anleger könnten beispielsweise darauf setzen, dass der Goldpreis auf Sicht von mehr als einer Dekade steigt, weil sich Portfolios in einer zunehmend multipolaren Welt breiter aufstellen. Eine alternative, kurzfristigere Wette auf wenige Monate wäre ein Preisanstieg durch sinkende US-Zinsen, getrieben von Äußerungen der Fed-Führung. Dies würde den Dollar schwächen und Gold für internationale Käufer plötzlich erschwinglicher machen. Ebenso lässt sich das Edelmetall als ultimative Versicherung gegen Extremereignisse wie einen drohenden Kollaps des Finanzsystems oder eine Staatspleite der USA betrachten. In diesem Szenario dient es jedoch primär der Absicherung und nicht als laufender Renditebringer. Wann genau Investoren bei derartigen Spekulationen die Reißleine ziehen, hängt letztlich maßgeblich von ihrer ursprünglichen These ab.
Internationale Reaktionen und optimistische Prognosen Trotz des rauen Umfelds sehen einige Experten gerade jetzt gute Einstiegschancen. Laut Nitesh Shah, Rohstoffstratege bei WisdomTree, sind die ersten panischen Liquiditätsbedürfnisse gestillt, sodass clevere Investoren die jüngsten Preisdellen nun gezielt zum Aufbau von Positionen nutzen. Diese Tendenz zeigt sich auch in Indien, wo die etwas niedrigeren Preise in dieser Woche frische Käufer anlockten. Völlig anders stellt sich die Lage in der Türkei dar. Die Zentralbank des Landes verzeichnete vor dem Hintergrund des Konflikts den stärksten wöchentlichen Rückgang ihrer Goldreserven seit August 2018. Die Commerzbank blickt derweil recht optimistisch in die Zukunft und hat ihre Prognose für den Goldpreis bis Ende 2026 auf 5.000 Dollar pro Unze angehoben. Dieses Basisszenario geht allerdings davon aus, dass der Nahostkonflikt im Frühjahr endet und die US-Notenbank ihren Zinssenkungszyklus wieder aufnimmt. Abseits von Gold zeigten sich auch die anderen Edelmetalle bewegt. Während Silber leicht um 0,1 Prozent auf 67,98 Dollar nachgab, legten Platin und Palladium um jeweils 0,9 Prozent auf 1.843,77 beziehungsweise 1.365,25 Dollar zu.