Elon Musk hat erneut für Aufsehen gesorgt, indem er fundamentale Prinzipien der Halbleiterindustrie in Frage stellte. Der CEO von Tesla und SpaceX erklärte in einem Interview mit Moonshots, dass die Branche beim Bau von Reinräumen einen falschen Ansatz verfolge. Seine Vision: Ein 2-Nanometer-Halbleiterwerk von Tesla, in dem er Zigarre rauchend einen Cheeseburger essen kann, während hochkomplexe Chips gefertigt werden. Doch während Musk von einer Revolution der Fertigungstechnik träumt, sieht sich sein Unternehmen an der Börse und im Wettbewerb mit chinesischen Rivalen einer zunehmend nüchternen Realität gegenüber.
Revolution im Reinraum
Musk ist überzeugt, dass moderne Chipfabriken, sogenannte Fabs, ineffizient konzipiert sind. „Ich denke, sie gehen das Thema Reinraum falsch an“, betonte er und bot eine Wette an: Sobald Tesla seine eigene 2nm-fähige Fabrik errichtet habe, werde er dort inmitten der Produktion speisen und rauchen. Auf die skeptische Nachfrage, wie er Silizium-Wafer vor Fett und Rauch schützen wolle, präsentierte Musk eine theoretisch simple Lösung: Die Wafer sollen zu jedem Zeitpunkt isoliert bleiben.
Das Konzept bricht radikal mit dem Status quo. Eine moderne Fab ist weit mehr als eine Produktionshalle; sie ist ein hochintegriertes System. Das Herzstück bilden ultra-reine Fertigungsbereiche, unterstützt von darunterliegenden Ebenen für Vakuumpumpen, Gasleitungen und Abluftsysteme. Hinzu kommen Servicekorridore für Wartungsarbeiten sowie eine zentrale Infrastruktur für Chemikalien und Abfallentsorgung. Reinräume sind dabei im Grunde isolierte Gebäude innerhalb der Fabrikhülle, abgeschirmt von jeglichen äußeren Einflüssen.
Die physikalischen Hürden der Kontamination
Die Industrie operiert derzeit nach strengen ISO-Klassifizierungen. Kritische Prozesse wie die EUV- oder DUV-Lithografie finden in Umgebungen der ISO-Klasse 1 oder 2 statt. Ein Klasse-1-Reinraum erlaubt maximal zehn Partikel pro Kubikmeter Luft, die größer oder gleich 0,1 Mikrometer sind. Zum Vergleich: Selbst ein Klasse-3-Reinraum, der bereits als extrem sauber gilt, toleriert bis zu 1.000 solcher Partikel.
In diesem Kontext erscheint Musks Vision gewagt. Ein einziger menschlicher Atemzug stößt Millionen von Partikeln sowie Feuchtigkeit aus, ganz zu schweigen von organischer Kontamination durch Bakterien oder Viren. Rauchen oder Essen in einer ISO-Klasse 1 bis 3 Umgebung würde hunderte Millionen Partikel freisetzen. Selbst bei perfekter Isolierung der Wafer und Werkzeuge könnten diese Emissionen die empfindliche Umgebungschemie oder die hochpräzisen EUV-Spiegel beeinträchtigen. Aktuell ist der Konsum von Nahrungsmitteln oder Tabak in Produktionsbereichen nicht nur wegen der Kontaminationsgefahr, sondern auch aus Sicherheitsgründen streng verboten. Theoretisch könnte Musk seine Wette heute schon in den Bürobereichen einer Fabrik einlösen, doch selbst dort herrscht meist Rauchverbot.
Wachablösung an der Weltspitze
Während Musk über zukünftige Fertigungsmethoden philosophiert, haben sich die Machtverhältnisse auf dem globalen Automobilmarkt verschoben. Es ist nun offiziell: Tesla hat seine Krone als weltgrößter Hersteller von Elektrofahrzeugen verloren. Dieser Titel gebührt nun dem chinesischen Autogiganten BYD. Zwar notiert die Tesla-Aktie trotz dieser Nachrichten weiterhin auf hohem Niveau – über 425 US-Dollar und damit in Reichweite ihres Allzeithochs –, doch stellt sich für Anleger die Frage nach der Zukunftsperspektive.
Die Marktkapitalisierung von Tesla liegt bei beeindruckenden 1,4 Billionen US-Dollar. Dennoch wirft der Verlust der Marktführerschaft bei Elektrofahrzeugen die Frage auf, ob das Kapital der Investoren an anderer Stelle rentabler eingesetzt wäre, insbesondere im boomenden Sektor der künstlichen Intelligenz (KI).
Das KI-Trio als Alternative
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Optionen: Zwei Tesla-Aktien kosten derzeit über 800 US-Dollar. Für fast denselben Betrag – rund 805 US-Dollar – könnte ein Anleger ein diversifiziertes Portfolio aus drei Schwergewichten der KI-Branche erwerben: eine Aktie von Alphabet (ca. 315 US-Dollar), eine von Micron Technology (ebenfalls ca. 315 US-Dollar) und eine von Vertiv Holdings (ca. 175 US-Dollar).
Der Rückblick auf das Jahr 2025 spricht eine deutliche Sprache. Während der S&P 500 um solide 16,4 % zulegte, explodierten die Kurse der KI-Profiteure förmlich. Vertiv verzeichnete ein Plus von 54,5 %, Alphabet stieg um 66,5 % und Micron lieferte eine atemberaubende Rendite von 275 %. Tesla hingegen trat fast auf der Stelle und verbuchte lediglich einen Zuwachs von 8,5 %.
Fundamentaldaten und Bewertung
Interessant ist der Blick auf die Substanz hinter den Kursgewinnen. Das massive Wachstum der KI-Aktien wurde zwar nicht immer von ebenso explosiven Umsatzzuwächsen begleitet – Alphabet steigerte den Umsatz um 10,2 %, Vertiv um 21 % und Micron um 35,1 % – doch die Profitabilität verbesserte sich drastisch. Der Nettogewinn von Alphabet stieg um 24,1 %, Vertiv verdoppelte ihn mit 108,6 % mehr als, und Micron glänzte mit einem Gewinnwachstum von 154,9 %.
Tesla hingegen musste Federn lassen: Der Umsatz sank um 2,1 % und der Gewinn brach sogar um 27,8 % ein. Obwohl die KI-Titel bereits stark gelaufen sind, basieren ihre Kurse auf wachsenden Umsätzen und Gewinnen. Teslas schwache Kursentwicklung übertraf ironischerweise sogar noch die realen Geschäftszahlen, die stagnierten oder rückläufig waren. Überraschenderweise sind die Bewertungen der KI-Aktien trotz der Rallye nicht völlig überhitzt. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) haben sich nicht signifikant verteuert, bei Vertiv ist das KGV im Jahresvergleich sogar gesunken. Alle drei Werte bewegen sich weiterhin innerhalb ihrer Fünf-Jahres-Spannen, was das Trio aus rein fundamentaler Sicht zur attraktiveren Wette macht als die Hoffnung auf eine Burger-freundliche Chipfabrik.