Google justiert derzeit massiv an seiner Preis- und Angebotsstruktur für die Video-Tochter YouTube. Während Nutzer in zahlreichen Ländern bereits über empfindliche Preiserhöhungen beim Premium-Abonnement informiert werden, deutet sich auf dem US-Markt beim Dienst „YouTube TV“ eine gegenläufige Strategie an: Mehr Auswahl soll die Kosten für den Einzelnen senken.
Preisschock für Familienabos
Die schlechten Nachrichten erreichen derzeit vor allem Abonnenten des Familientarifs. In einer koordinierten Aktion hat Google Kunden in den USA, Kanada, Großbritannien, Japan sowie weiteren Märkten per E-Mail über teils drastische Preisanpassungen in Kenntnis gesetzt. Der Fokus liegt dabei eindeutig auf dem „Family Plan“, dessen Grundgebühr um rund 30 Prozent angehoben wird.
Ein Blick auf die neuen Konditionen in den Vereinigten Staaten verdeutlicht den Kurs: Statt bisher 17,99 US-Dollar werden künftig monatlich 22,99 US-Dollar fällig. Auch in Großbritannien steigt der Preis von 17,99 auf 19,99 Pfund. In Ländern mit starker Inflation, wie der Türkei oder Argentinien, fallen die Erhöhungen noch drastischer aus – hier sind auch Einzelnutzer betroffen, wobei in Argentinien der Preis teils um über 200 Prozent nach oben schießt.
Auswirkungen auf den deutschen Markt
Zwar liegt für Deutschland noch keine offizielle Ankündigung vor, Branchenbeobachter gehen jedoch fest davon aus, dass eine Anpassung hierzulande nur eine Frage der Zeit ist. Bislang positioniert sich YouTube Premium als attraktives Komplettpaket im Google-Ökosystem: Für aktuell 11,99 Euro (Einzelnutzer) oder 17,99 Euro (Familie) erhalten Kunden nicht nur Werbefreiheit und Offline-Funktionen, sondern auch vollen Zugriff auf den Musik-Streaming-Dienst YouTube Music.
Sollte Google das internationale Muster auf Deutschland übertragen, dürfte der Preis für das Familienabo, das bis zu fünf Mitglieder eines Haushalts abdeckt, auf etwa 19,99 Euro oder gar 22,99 Euro steigen. Besonders für kleinere Familien oder Paare, die sich diesen Tarif teilen, würde sich die finanzielle Belastung pro Kopf damit spürbar erhöhen. Eine Stellungnahme von Google Deutschland steht hierzu noch aus.
Neue Wege beim Fernsehen: Flexibilität statt Zwang
Während das klassische Premium-Abo teurer wird, versucht Google auf dem amerikanischen Markt mit „YouTube TV“ die Attraktivität durch mehr Wahlfreiheit zu steigern. Der offizielle YouTube-Blog kündigte die Einführung von über zehn genrespezifischen Paketen an. Dieser Schritt zielt darauf ab, das Fernseherlebnis personalisierbarer und vor allem erschwinglicher zu gestalten.
Anstatt für ein riesiges Bündel an Sendern zu zahlen, die man nie schaut, sollen Kunden künftig gezielt Themenbereiche auswählen können. Laut Berichten von „Cord Cutters News“ steht die Bezahlbarkeit im Mittelpunkt dieses Redesigns. Die Hoffnung ist, dass Abonnenten durch die gezielte Auswahl ihre monatliche Rechnung senken können, ohne auf ihre Lieblingsinhalte verzichten zu müssen.
Sport und Unterhaltung nach Maß
Ein konkretes Beispiel für diese neue Struktur ist der geplante „YouTube TV Sports Plan“. Dieses Paket soll alle wichtigen Sportnetzwerke wie FS1, NBC Sports Network sowie sämtliche ESPN-Kanäle bündeln. Zusätzlich lassen sich Premium-Add-ons wie das „NFL Sunday Ticket“ oder „RedZone“ integrieren. Beliebte technische Features der Plattform, wie der unbegrenzte digitale Videorekorder (DVR), Multiview oder die Fantasy-View-Ansicht, bleiben auch in diesen neuen Paketen erhalten.
Neben dem Sport plant YouTube ähnliche Bündel für Nachrichten, familienfreundliche Inhalte und Entertainment. Das Ziel ist ein modulares System: Nutzer sollen verschiedene Pakete kombinieren können, um sich ihr individuelles Fernsehprogramm zusammenzustellen. Ob und wann dieses flexiblere Modell auch den europäischen Markt erreichen wird, bleibt vorerst offen.